St. Petersfahrt
St. Petersfahrt 2026
St. Petersfahrt 2026
Zürich, Zunft zum Widder, 26. Januar 2026
Nachdem unser Zunftmeister Lucius Blattner – wiederum (aber wir sind uns ja nichts anderes gewohnt …) – mit juristischer Exaktheit und Eloquenz durch die Zunftversammlung geführt hatte, startete der Widder pünktlich um 19:30 Uhr seine traditionelle St. Petersfahrt – ganz zur Freude der vielen Schaulustigen, die sich mit ungläubigem Staunen am fast schon Sechseläuten-haften Umzug erfreuten.
Auf der St. Peterhofstatt begrüsste die Pfarrerin vom St. Peter, Cornelia Camichel alle anwesenden Zünfter & Gesellen, Zunft zur Sankt Cordula und Gäste. Unser Lucius stellte er der Pfarrerin folgende Frage: «Wie lassen sich Macht, Machtansprüche und Eigeninteressen durch Verantwortung mit dem Gemeinwohl in Einklang bringen?»
«Diese Frage trifft unsere Gesellschaft aufgrund aktueller Ereignisse und Geschehnisse im Innersten», begann Cornelia ihre Antwort. «Menschen, die Ihre Macht auf’s Äusserste ausüben und ihre eigenen Ansichten über alles stellen, bewirken, dass sich viele Menschen übergangen und nicht ernst genommen fühlen», stellt Cornelia fest und fragt sich, wie man solchen Menschen begegnen soll.
«Ich glaube, das wirksamste Gegenmittel ist erstaunlich unspektakulär – und gerade deshalb so kraftvoll:
Eine ruhige, klare Haltung an den Tag legen.
Eine Haltung, die nicht mitpoltert, sondern stehen bleibt;
Eine Haltung, die nicht zurückschlägt, sondern Grenzen setzt;
Eine Haltung, die zeigt:
- Ich höre Dich – aber ich lasse mich nicht vereinnahmen;
- Ich nehme Raum ein – und ich nehme Dir deinen Raum nicht weg;
- Ich bleibe bei der Wahrheit – auch wenn der Andere sie negiert.»
Symbolisch tauschten Cornelia und Lucius sodann den Schinken vom Widder (für die Pfarrerin) und 101 Fasnachts-Chüechli (für die Zunft) aus (Anmerkung vom Verfasser: «Mmh – wir freuen uns schon jetzt auf den feinen Chüechli-Dessert nach dem zNacht!»).
Zurück im Widder-Saal hiess Lucius Blattner nochmals alle Anwesenden herzlich Willkommen und begrüsste die Ehrengäste:
- Rolf Bühler, Zunftmeister zu Drei Königen
- Pascal Pauli, Zunftmeister zu Schwamendingen
- Cornelia Camichel, Pfarrerin zu St. Peter
- Stefan Thurnherr, ehemaliger Kirchenkreiskommissionspräsident und Zunftmeister zu Wollishofen.
Lucius versichert, dass dies nun – wirklich – der letzte Auftritt von Stefan sein werde …!
Sodann begrüsste unser Zunftmeister die Gäste der Zunft:
- Margrit Fluor, seit einem Vierteljahrhundert Organistin im St. Peter
«Der Beruf der Organistin scheint ein wenig wie die Stadtpräsidentin von Zürich zu sein: man dirigiert und orchestriert eine grosse Ansammlung von Pfeifen in der Hoffnung, dass etwas Harmonisches dabei herauskommt und gut tönt …», vermutet Lucius.
- Elie Jolliet, Nachfolger von Margrit Fluor.
- Ramon Jost, der als DJ Ray Douglas jedem tanzwütigen Zünfter ein Begriff ist.
- Cyrill von Planta, Sprecher der Zunft zur Waag auf dem Widder am Sechseläuten 2025.
- Michael Bitar, Nachfolger von Stefan Thurnherr und neuer Präsident der KKK.
- Christian Walti, neuer Pfarrer auf dem Grossmünster (von Lucius sozusagen als «Mitbewerber zu Cornelia eingeladen, um sie etwas unter Druck zu setzen…»).
Nach ein paar ‘lüpfigen’ Musikstücken unserer Zunftspiels unter der Leitung von Tobias Zwyer startete das feine Nachtessen mit Bockwürstli, die von unserem Zünfter Andreas Klippstein gespendet wurden, hervorragendem Härdöpfelsalat aus dem Hause Hornecker, zusammen mit knusprigen Büürli und zarter Butter. Das kühlende Bier wurde von unserem Zünfter Ueli Rütsch gespendet. «Herzlichen Dank den Spendern und en Guete», wünschte Lucius allen Anwesenden.
St. Petersfahrt 2025
Nach Speis & Trank stellte unser Zunftmeister den ersten Redner und Ehrengast vor, Zunftmeister Rolf Bühler von den Drei Königen: «Rolf wurde im damaligen Spital Sanitas an der Freigutstrasse geboren – wie ich auch! Darum könnte man meinen, wir seien Zwillinge, wobei ich natürlich der Schönere bin, weil ich doch noch einen Anflug von Haaren habe», sagte Lucius verschmitzt. Rolf sei erst 2014 bei den Drei Königen aufgenommen worden und wurde dann bereits 7 Jahre später zum Zunftmeister gewählt. «Diese Geschwindigkeit erstaunt», meinte Lucius, «aber offenbar herrscht bei dieser Zunft so grosser Fachkräftemangel, dass man mit Rolf sogar einen Expat aus dem Thurgau (!) auf den Thron setzt.»
«Obwohl ich mich sehr auf die St. Petersfahrt beim Widder sehr gefreut habe, stellte ich mir nach Erhalt der Einladung die Frage: Warum? Warum ich? Wie konnte das passieren? Und vor allem: Wie komme ich da wieder raus?», startete Rolf seine Rede. Er kenne vermutlich die Antwort, meinte Rolf, denn alle Zunftmeister, die heute als Ehrengäste hier seien – inklusive Lucius selber – verbinde etwas: sie seien «edel unbehaart». Diese Verbindende werfe aber doch ein paar Fragen auf:
- Wenn eine halbe Glatze 1000 Haare hat, wie viele Haare hat dann eine ganze Glatze?
- Können Glatzköpfe grundsätzlich auch eine Glücks-Strähne haben?
- Meiden Glatzköpfe Hühnerställe, weil sie Angst haben, dass sie ausgebrütet werden?
Sodann stellte Lucius den weiteren Ehrengast und Zunftmeister zu Schwamendingen vor, Dr. Pascal Pauli. «Pascal ist seit 2016 Zunftmeister und hat damit fast 20% der gesamten Geschichte seiner Zunft als Zunftmeister bestritten», stellte Lucius treffend fest.
Pascal erklärte uns sodann, dass der erste Wohnort von Lucius Schwamendingen gewesen sei. «Das erklärt einiges», meinte Pascal: «Du bringst zwar den Typ aus dem Ghetto, aber nie das Ghetto aus dem Typen!». Aber Lucius sei ja immer ehrgeizig und fleissig gewesen. Schon als Kind war er fest entschlossen, sich mit harter und ehrlicher Arbeit nach oben zu arbeiten – und sei dann aber trotzdem Anwalt geworden.
Allerdings würde an anderen Stellen nicht so fleissig gearbeitet werden:
- Im Staatsarchiv werde die Fitness der Mitarbeitenden nicht mit Schrittzähler, sondern mit Bewegungsmeldern gemessen;
- Natalie Rickli wurde letztens gefragt, wie viele Menschen denn eigentlich beim Kanton arbeiten? «Etwa die Hälfte!».
«Und da wäre noch eine Frage an Dich, liebe Cornelia: Kommen faule Menschen eigentlich auch in den Himmel, oder werden wir abgeholt?», wollte Pascal wissen.
Zum Schluss stellte unser Zunftmeister den letzten Ehrengast und Zunftmeister zu Wollishofen vor, Stefan Thurnherr. «Du hast während 16 Jahren das Amt des Präsidenten KKK innegehabt und warst – Corona-bedingt – 14 mal als Ehrengast bei uns auf dem Widder. Ganze 3 Zunftmeister hat Du über- und erlebt: Dr. Christian Rahn, Georg Steiger und – das Beste kommt zum Schluss! – mich», erklärte unser Lucius nicht ganz ohne Stolz.
Bei den jährlichen Auftritten von Stefan an der St. Petersfahrt habe er bei uns Allen tiefe Spuren als sensibler und bescheidener Mensch sowie als Meister des klugen Wortwitzes hinterlassen … «Moment, das ist doch gar nicht der richtige Textbaustein, den ich hier für meine Rede verwendet habe; was ist denn da wieder passiert?», fragte sich Lucius leicht verwirrt.
Stefan erklärte zur 65. St. Petersfahrt «Ja, es ist tatsächlich meine 14. Rede hier bei Euch und die letzte… Insgesamt habe ich an 24% der St. Petersfahrten mitgewirkt – ein Rekord und eigentlich müsste ich dafür Ehrenzünfter bei Euch auf dem Widder werden! So trete ich auf dem Höhepunkt meines künstlerisch sprechenden Schaffens ab. Dank meinem Redentraining hier auf dem Widder habe ich es zum Primus inter Pares der Züricher Zunftmeisterszene gebracht und bin also heute sozusagen der rechtmässige Chef von Lucius Blattner, Rolf Bühler, Pascal Pauli und der ganzen Zunftmeister-Schlachtenbummler-Truppe, welche sich im hinteren Bereich des Saales wieder einmal gratis den Ranzen vollschlägt.»
Zu seinem Zusammenwirken mit den verschiedenen Zunftmeistern auf dem Widder meinte Stefan: «In den Anfängen habe ich versucht den damaligen Zunftmeister Christian Rahn und Banquier mit Geldprämien in die Kirche zu locken, was mässig gut gelungen ist. Dann kam der Katholik Georg Steiger…und ja, wie soll ich sagen – es ist schön mit Dir gewesen, lieber Georg … : Die Sprüche wurden einseitig und die Freundschaft vielseitig. Ganz nach dem Motto des Jagdvereines: Lernen Sie schiessen und treffen Sie neue Freunde! Aber auch diese schöne Zeit hatte ein Ende und ich musste mich erneut mit einem Frischling-Zunftmeister abmühen, dem heute amtierenden Zunftmeister Lucius Blattner. Eine besondere Beziehung hat sich aber auch da entwickelt, zumal ich mittlerweile auch Zunftmeister geworden bin und darum nicht mehr so klar ist, ob ich jetzt hier als Kirchenmensch, oder als Zunftmeister stehe.»
Stefan wollte nach diesen einleitenden Worten seinen eigentlichen Vortrag mit folgendem Thema starten: Fleischliche Betrachtungen – Über Lust und Erotik in der Fleischverarbeitungsindustrie. Aber vielleicht wolle Lucius ihn mal zu einer Metzgete einladen, damit Stefan dort diesen Vortrag als Fachreferent halten könne.
Zum Abschluss seiner Rede machte Stefan dann ein spezielles Geschenk: «Zum Schluss und als Dank und Erinnerung für die tollen 16 Jahre hier bei Euch auf dem Widder schenke ich einen Zinnbecher für die drei Zunftmeister Christian, Georg und Lucius, welche ich in all den Jahren auf ihrem Weg begleiten durfte».
Der Becher trägt den sinnigen Spruch:
Sprich, doch bleibe kurz und klar!
So denk’an mich, wie wunderbar!
St. Petersfahrt 2011 – 2026
Lucius verdankte alle – wirklich tollen und humorvollen – Reden der drei Ehrengäste auf’s Herzlichste – insbesondere auch das sehr grosszügige Abschiedsgeschenk von Stefan. Alle Ehrengäste erhalten zum Abschluss einen reichhaltigen, vegan-freien Widder-Korb als Geschenk!
«Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit und freue mich, wenn wir uns Ende Februar zu unserer Metzgeten – diesmal zusammen mit der Stadtzunft – wieder treffen», verabschiedete sich unser Zunftmeister von den Anwesenden.
Marco Baur, Protokollführer der Zunft zum Widder